Es ist nun bereits der zweite Tote im sogenannten Prinz-Reuß-Verfahren. Zuerst war es Norbert G. (72 Jahre), der schwerkrank über ein Jahr im Gefängnis festgehalten wurde, bis er Anfang 2024 endlich aus der Haft entlassen wurde, nur um kurz darauf in der Klinik zu sterben.
Nun hat uns Hildegard L. (71 Jahre) verlassen, ebenfalls schwerkrank und ohne dass ihr die Hilfe, die sie so dringend gebraucht hätte, gewährt wurde. Der Staat brandmarkte die ältere Dame als Terroristin und damit als Gefahr für den Staat. Wie lächerlich und zugleich menschenverachtend ist das denn?
In ihrer größten Not wurde sie völlig allein gelassen – keine angemessene medizinische Versorgung, keine rechtzeitige Entlassung aus der U-Haft, obwohl ihr dramatischer Gesundheitszustand für alle sichtbar war.
Ihr Anwalt Marc Jüdt hat deshalb Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt und unterlassener Hilfeleistung gegen die Ärzte der JVA Aichach erstattet. Sein schwerwiegender Vorwurf: Auf „erhebliche Krankheitssymptome“ wurde nicht reagiert. Er sagt: „Meine Mandantin hätte keine Heilungschance gehabt, aber früher adäquat behandelt und aus der U-Haft entlassen werden können.“
Für jeden Inhaftierten gilt die Unschuldsvermutung, und ich bin zutiefst erschüttert und fassungslos, wie unsere Justiz mit alten Menschen umgeht, die in solch einer verzweifelten Lage sind.
Ich habe jeden Respekt und jede Achtung vor diesem Staat verloren, weil dieser Staat inzwischen jede Menschlichkeit vermissen lässt.
Ich möchte deshalb an dieser Stelle laut herausschreien: Welche reelle Gefahr ging von diesen Menschen jemals aus? Was ist nur aus diesem Land geworden?
Dennoch - Ich glaube felsenfest daran, dass jeder einzelne, der unschuldig im Gefängnis sitzt, rehabilitiert werden wird. Ich glaube immer noch an Gerechtigkeit, sonst könnte ich das alles nicht machen.
Mögen sie nun in Frieden ruhen.
Mehr Infos: Die Zeit
Dr. Christina Baum
Mutig. Patriotisch. Freiheitlich!
Mitglied des Deutschen Bundestages
