Erst war ich entsetzt, als ich hörte, dass Herbert Grönemeyer den Männerchor Opperode besuchen möchte. Ein linker Verein hat ihn eingeladen und den Kontakt hergestellt. Der Grund war für mich klar, denn der selbsternannte Kämpfer gegen rechts möchte in Sachsen-Anhalt einen Coup landen gegen die von ihm verhasste AfD, welche in seinen Augen rechtsextreme Rassisten sind, die mit den Nazis gleichzusetzen sind. Er hetzt schon einige Jahre im Rahmen seiner Konzerte gegen die Rechten, welche in seinen Augen natürlich auch nur extrem sein können. Von konservativ hat er scheinbar in seiner Blase noch nie etwas gehört.
Im Februar hat er bei einem Konzert in Dortmund verkündet, dass man die „rechten Ratten“, was in seinen Augen AfD-Wähler sind, bekämpfen und wieder in „ihre Löcher treiben“ muss.
Nun muss man wissen, dass in Opperode bei der Bundestagswahl im letzten Jahr über 50 % die AfD gewählt haben!
Meine Vermutung war, dass er mit einer Charmeoffensive bei den Opperödern punkten wollte, um sie für seine Zwecke zu benutzen.
Ich erlaubte mir daher, mit einem schnell hergestellten Banner auf dem Landgraben mit zwei Mitstreitern zur Begrüßung anzutreten. Mit der Aussage, dass, wer Andersdenkende als Ratten bezeichnet, gedankliche Nähe zum Nationalsozialismus haben muss, wurde er von uns begrüßt. Nun kam aber alles anders, als er es beabsichtigt und ich befürchtet habe!
Die wackeren Opperöder Sänger haben ihn freundlich begrüßt und eingeladen. Anders als erwartet stand der gute Herbert keiner üblen Rassisten-Truppe gegenüber, sondern ganz normalen freundlichen Leuten. Bei Gesang und Gesprächen, bei denen auch das ein oder andere Bierchen genossen wurde, öffnete sich dann sein Herz für diese lieben Menschen und er musste erkennen, dass er leider einer Indoktrination aufgesessen ist und dass rechts und rechtsextrem vollkommen unterschiedliche Dinge sind. Er traf Leute, welche die AfD wählen, denen aber trotzdem egal ist, welche Schattierung jemandes Haut hat, sondern für die Charakter und Integrität die Maßstäbe setzen in der Beurteilung von Menschen.
Es zog sich dann bis Mitternacht und war ein schöner und lehrreicher Abend für alle. Ohne Kommunikation ist gut gemeint oft das Gegenteil von gut, da man sich sonst gegen Menschen hetzen lässt, welche man eigentlich mögen würde.
So wurde der 20. Mai zum Tag der Einkehr und Versöhnung in Opperode. Ob ein heller Stern am Nachthimmel erstrahlte, ist ungewiss, aber eines steht nun für alle Anwesenden fest:
„Wo man singt, lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder!“
