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Seit über einem Monat sitzt die Ärztin Dr. Bianca Witschelnun schon wieder im Gefängnis. Gleich nach ihrer Inhaftierung hatte ich mich um einen Besuchstermin bemüht und am Montag war es dann so weit. Kurzfristig fragte ich meinen lieben Kollegen Thomas Dietz, der in der Nähe von Chemnitz wohnt und auch Mitglied im Gesundheitsausschuss ist, ob er Lust hätte, mich zu begleiten. Gesagt, getan und so rückten wir am 9.3.2026 um 13:00 Uhr in der JVA an. Obwohl Thomas nicht angemeldet war, gab es nach einigen kurzen Rücksprachen mit der JVA-Leitung kein Problem und wir durften beide zu Bianca.

Zuallererst: Bianca hat sich sehr gefreut, insbesondere deshalb, weil unsere 2 Stunden Besuchszeit nicht auf die 4 Stunden pro Monat, die ihr für Besuche von der Familie und Freunden erlaubt sind, angerechnet werden.
Und wir haben uns auch gefreut, sie bei guter Gesundheit und durchaus positiver Grundstimmung anzutreffen. Es ist bewundernswert, mit welcher Kraft und innerer Ruhe sie diese schwere Last erträgt. Es war ihr wichtig, uns mitzuteilen, dass sie in keinster Weise selbstmordgefährdet sei. Dies sei zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen.

Sie glaubt fest daran, dass ihr und allen andern Verfolgten eines Tages Gerechtigkeit widerfahren wird. Bianca schreibt täglich Briefe aus dem Gefängnis an ihre Katze mit Namen Mutzel, als eine Art Tagebuch sozusagen. Mutzel weiß also immer, wie es Frauchen geht und freut sich darüber, dass diese Briefe veröffentlicht werden.😉

Auch sollen wir allen Mitstreitern und Unterstützern danken, die ihr Briefe und Karten schreiben. Zu erleben, dass so viele Menschen an ihrem Schicksal Anteil nehmen, gibt ihr genau diese Stärke, die man in einer so schweren Zeit benötigt.

Die Briefmarken, die von den Absendern für die Rückantwort mitgeschickt werden, erhält sie allerdings nicht. Begründet wird das mit der Drogen-Vorsorge.

Es gibt allerdings zwei andere Möglichkeiten, ihr das Porto zukommen zu lassen. Hier die Links dazu:

https://www.deutschepost.de/de/m/mobile-briefmarke.html
oder
https://shop.deutschepost.de/internetmarke?AdW_Shop_IM&s_kwcid=AL!6093!10!76897307569118!76897573944655&msclkid=5744f0f9e8c31d07f94b99498b42a9c6

Sie sagte uns auch, dass, anders als in der Untersuchungshaft,die Post, die sie erhält oder absendet, nicht gelesen wird. Das Telefonieren ist nur mit wenigen Personen möglich, denn die Nummernzahl ist beschränkt und unterliegt einer Sonderüberprüfung durch die JVA.

Etwas Abwechslung in den Alltag bringt das Angebot, sich dreimal in der Woche sportlich zu betätigen. Auch der Fernseher in ihrer Zelle leistet diesbezüglich gute Dienste.

Bianca muss nun noch ein Jahr und 4 1/2 Monate Resthaft im Gefängnis verbringen. Da noch zwei weitere Verfahren anhängig sind, weiß sie allerdings noch nicht, wie es danach weitergeht. Erschütternd für mich war insbesondere die Schilderung ihrer finanziellen Situation. Die sächsische Ärztekammer hat erwirkt, dass ihre Approbation ruht. Deshalb erhielt sie vom 17. Juni 2024 bis 5.2.2026, also in der Zeit, als sie zu Hause war, keine Rente. Eine unvorstellbare Ungerechtigkeit, denn Bianca hat natürlich viele Jahre in eine Rentenkasse eingezahlt. In meinen Augen erfüllt das den Tatbestand der Enteignung.
 
Thomas und ich sind voller Bewunderung für diese mutige Frau, die sich durch die Fehlurteile der Gerichte nicht klein kriegen lässt. Nur wer felsenfest davon überzeugt ist, das Richtige getan zu haben, kann diese mentale Stärke aufbringen.

Wir wünschen ihr von ganzem Herzen, dass sie diese schwere Zeit gesund übersteht und dass sie über kurz oder lang Gerechtigkeit erfährt, indem sie rehabilitiert und entschädigt wird.
Wahrheit und Gerechtigkeit werden siegen!

Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz

 
In diesem Sinne seid alle ganz herzlich gegrüßt von
Thomas und Christina

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