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„Ein Zirkus kommt in unsere Stadt!“
Helle Aufregung und Begeisterung brachte diese Ankündigung bei Jung und Alt hervor, sobald die Plakate gesehen wurden und die Zeitung darüber berichtete. So habe ich es aus meinen Kindheitstagen in Erinnerung.

Ich war wohl eine der größten Zirkusfans weit und breit. Vor allem die Tiere hatten es mir angetan, allen voran die wunderschönen Pferde. Meine Eltern ermöglichten mir immer einen Besuch – auch wenn es nur ein Sitzplatz ganz hinten war, weil das Geld für mehr nicht reichte. Hauptsache, ich konnte dabei sein.

Es war der besondere Geruch der Manege, die glitzernden Kostüme, die glänzenden Felle der herausgeputzten Tiere und die einzigartigen Kunststücke der Akrobaten, die mich damals faszinierten. Man tauchte in eine andere Welt ein, wie in einen Traum.

Mein letzter Zirkusbesuch lag schon sehr lange zurück, warum auch immer. Vielleicht, weil ich mir inzwischen zwei eigene Pferde leisten konnte und viele Reisen unternommen hatte, bei denen ich exotische Tiere in freier Wildbahn sehen durfte.

Bei einem Besuch in Würzburg stand es dann plötzlich vor mir – das große Zelt des Zirkus Krone – und alle Kindheitserinnerungen waren sofort wieder lebendig. Und nun konnte ich meinem Mann auch von meinem Weihnachtswunsch berichten: Ja, ich wollte den Zirkus besuchen, und mein Mann musste mit.

Wir bekamen noch Karten für sehr gute Plätze im Winterquartier in München, und so konnte ich den Zirkus auch zum ersten Mal „ganz nah“ erleben.

Es war eine wunderbare Vorstellung – als würde man in ein Märchen eintauchen. Wir erlebten klassische, traditionelle Zirkuskunst mit großartigen internationalen Akrobaten, sehr lustigen Clown-Einlagen und natürlich den Zirkustieren. Sie gehören einfach dazu und verzaubern jeden Zuschauer.

Diesmal waren es nicht die Pferde, sondern die Löwen, bei denen mein Herz höher schlug. Vielleicht auch deshalb, weil wir erfahren hatten, dass der 17-jährige Sohn der Familie Krone an diesem Abend erstmals die Löwen präsentierte.

Am faszinierendsten war für mich das Ende der Aufführung, als Herr Lacey-Krone die Manege betrat und sich der einzige männliche Löwe und eine Löwin an ihn schmiegten, wie es ganz normale Katzen tun. Ganz zum Schluss legten sie sich mitten in der Manege auf ihn.

Ein solches Tierverhalten kann man niemals erzwingen; es ist das Ergebnis höchsten gegenseitigen Vertrauens. Jeder Tierbesitzer weiß es: Einem Tier etwas beizubringen erfordert sehr viel Geduld, Ausdauer und Liebe. Daraus entsteht Urvertrauen – und erst dann werden schwierige Lektionen überhaupt möglich.

Liebe Tierfreunde, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Tiere des Zirkus Krone ein gutes und zufriedenes Leben führen und vor allem die Liebe erhalten, die sie brauchen.

Seit Jahrtausenden gibt es die Zirkustradition – bestimmt genauso lange wie die Haustierhaltung. Hunde, Katzen und Pferde sind aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken und erfüllen große Aufgaben: Sie lehren Kindern (und Erwachsenen) Verantwortung und Pflichtbewusstsein, stärken Empathie, geben Wärme und Liebe zurück, machen Einsamkeit erträglicher und können sogar Heilungsprozesse unterstützen.

Nicht anders ist es mit den Tieren im Zirkus. Die Beschäftigung tut ihnen gut, hält sie fit und lässt keine Langeweile aufkommen. Doch was sie wirklich unbezahlbar macht, sind die strahlenden und leuchtenden Kinderaugen, die ich bei dieser Vorstellung wieder gesehen habe. Vergessen ist für kurze Zeit die tote, virtuelle Welt des Smartphones. Die Kinder tauschen sie voller Begeisterung gegen ein echtes Wunderland ein – die Welt des Zirkus.

Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei der Familie Lacey-Krone, die einen der größten und angesehensten Zirkusse Europas in fünfter Generation mit Leidenschaft weiterführt. Die Dankbarkeit der Besucher ist ihnen gewiss, wie ich bei meinem Besuch feststellen konnte: Alle Plätze im Zelt waren besetzt, und das Publikum war großartig.

Die Faszination Zirkus wird auch zukünftige Generationen mit Freude erfüllen – davon bin ich überzeugt.

Und wer die Zirkusluft noch nicht geschnuppert hat, sollte dies schnellstmöglich nachholen …

P.S.: Erst an diesem Abend erfuhr ich von meinem Mann (mit dem ich seit 36 Jahren verheiratet bin), dass auch er als Kind voller Begeisterung am Straßenrand stand, wenn die Zirkuselefanten die Heilbronner Hauptstraße vom Bahnhof zur Theresienwiese geführt wurden. Winkend und jubelnd wurden sie von Kindern und Erwachsenen begrüßt. Für ihn als Nachkriegskind brachten die Zirkusleute eine exotische Traumwelt aus Farben und Glanz in die sonst noch graue, zerstörte Stadt.

Christina B., 69 Jahre

https://www.welt.de/regionales/bayern/article694da583ba368aa0126a3579/tierschuetzer-stoeren-premiere-im-circus-krone.html

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